titelbild eichhörnchen

Maurer Berg in Liesing: Eichhörnchenbrücke in der Anton-Krieger-Gasse

Eine Eichhörnchenbrücke über eine Straße? Diese Idee hatten nun Bewohner des Maurer Bergs.

WIEN/LIESING. „In der Früh habe ich das Eichhörnchen immer beim Küchenfenster gefüttert. Jetzt kommt es aber nicht mehr, weil es überfahren worden ist“, sagt Irmtraud Moravansky in der oberen Anton-Krieger-Gasse mit traurigem Blick. „Einst sind die Eichhörnchen auf den Bäumen von Ast zu Ast heil über die Straße gesprungen. Leider sind die meisten aber inzwischen gefällt worden“, erklärt ihr Mann Johann. Zwar ist die Anton-Krieger-Gasse eine Tempo-30-Zone, daran halten sich aber die wenigsten. „Auch der Autobus ist da leider kein Vorbild“, sagt der Kinderarzt.

Das Ehepaar hat nun die Idee, ein dickes Tau an Lichtmasten oder Bäumen quer über die Straße zu spannen, auf dem die Eichhörnchen in mehreren Metern Höhe sicher hinübergelangen können.

Vorbild ist die deutsche Stadt Trier, in der die Stadtverwaltung im vergangenen Herbst eine Eichhörnchenbrücke hoch über der viel befahrenen Oswald-von-Nell-Breuning-Allee installiert hat. Das acht Zentimeter breite Tau ist in rund fünf Metern Höhe zwischen zwei Bäumen über der Straße befestigt und ermöglicht Eichhörnchen das gefahrlose Überqueren der Fahrbahn.

Die Expertin ist dafür

„Ich sehe keinen Grund, warum Eichhörnchenbrücken nicht auch in Wien funktionieren sollten“, sagt Evelyn Moser-Gattringer vom Verein Wildtierhilfe Wien. „Straßen sind aber auch für Kröten oder Igel gefährlich. Deshalb sind Autofahrer gut beraten, den Fuß vom Gas zu nehmen.“

Was rät die Biologin all jenen, die Eichhörnchen unterstützen möchten? „Futter finden sie genug, man kann ihnen daher besser mit einem naturnahen Garten mit Mut zur Unordnung helfen“, so die ehrenamtliche Expertin des Vereins, der auch ein Wildtierspital betreibt und sich nur aus Spenden finanziert. Garten- oder Balkonbesitzern rät sie, heimische Gehölze anzupflanzen: „Die gedeihen sogar im Topf und werden auch von Igeln, Schmetterlingen und Bienen geschätzt.“

Lebensraum ist gefährdet

Es geht aber auch um den Lebensraum der Eichhörnchen: „Wie bei vielen anderen Wildtieren ist die Lebensraumzerschneidung durch Straßen und Gebäude auch für Eichhörnchen ein Thema – Lebensräume zu erhalten und zu verbinden ist also eine sinnvollere Maßnahme als jede Fütterung.“

Was sagt die Stadtverwaltung zur Idee? Die MA 49 – Forstamt steht der Eichhörnchenbrücke positiv gegenüber: „Eichhörnchen sind eine wesentliche Bereicherung der Artenvielfalt unserer Stadt und daher unbedingt schützenswert.“ Für die konkrete Umsetzung der Eichhörnchenbrücke benötigt die MA 49 allerdings die Unterstützung der anderen Magistratsabteilungen.

Im Behördendschungel

Die MA 33 – Wien leuchtet winkt aber gleich ab: „Auf Lichtmasten kann die Eichhörnchenbrücke nicht montiert werden, weil das Risiko wegen des Stroms zu groß ist.“ Die MA 46 – Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten wiederum erklärt sich für nicht zuständig, „weil es sich bei Eichhörnchenbrücken nicht um Verkehrsmaßnahmen handelt“.

Sollte die Umsetzung in Wien an der Bürokratie scheitern? Dabei funktioniert die Eichhörnchenbrücke im deutschen Trier doch wunderbar. Vielleicht findet sich doch noch ein Ausweg aus dem Behördendschungel, damit die Eichhörnchen sicher die Anton-Krieger-Gasse überqueren können – die BezirksZeitung bleibt jedenfalls an der Sache dran.

Dieses Mosaikbild von Franz von Assisi schmückt das Haus von Irmtraud und Johann Moravansky. Foto: Kautzky

Irmtraud Moravansky möchte den Eichhörnchen mit einer Seilbrücke helfen, sicher über die Straße zu kommen. Foto: Kautzky

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Bezirk Liesing - der Bezirk im Süden von Wien

Liesing ist der 23. Wiener Gemeindebezirk. Er entstand 1938 als 25. Wiener Gemeindebezirk durch den Zusammenschluss mehrerer zuvor selbständiger Gemeinden und besteht in seiner jetzigen, verkleinerten Form seit 1954/56