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Modernes Flair hält Einzug im historischen Atzgersdorf

Liesings Mitte wächst. In Atzgersdorf entstehen aktuell neue Stadtteile mit Wohnungen, Parks, Schulen, Geschäften, Gastronomie und Kultureinrichtungen.

Vom Industrieviertel zum Wohngrätzl: Das Viertel rund um die Pfarrkirche hat sich in den vergangenen 50 Jahren immens gewandelt. Die alten Industriebrachen östlich der Südbahn sind modernen Wohn- und Bildungsbauten gewichen. Zahlreiche junge Familien haben in den vielen Wohnungen ihr neues Zuhause gefunden. Viele davon sind gefördert, nur wenige freifinanziert.

Die katholische Pfarrkirche am Kirchenplatz bildet das historische Zentrum des Liesinger Stadtteils Atzgersdorf, © Bild: Kurier/Gilbert Novy

Als wir unseren Rundgang durch das alte und neue Atzgersdorf beginnen, unterhalten sich gerade viele wartende Mütter und Väter vor der alten Volksschule am Kirchenplatz. Zeit nachzufragen, wie es ist, hier zu leben, in Atzgersdorf, einem prosperierenden Viertel in Wien-Liesing. Martina H. ist im Herbst in das neue Carré Atzgersdorf – nur durch den Bruno-Morpurgo-Park vom Kirchenplatz entfernt – gezogen: „Ich fühle mich sehr wohl. Nachdem viele junge Eltern mit ihren Kindern hierher gezogen sind, findet man schnell Anschluss und Gesprächsstoff.“

Biergenuss im Backsteinbau: Die „100 Blumen Brauerei“ grenzt direkt an das Carré Atzgersdorf, © Bild: Kurier/Gilbert Novy

Das autofreie Carré Atzgersdorf ist in den letzten Jahren auf insgesamt 61.500 m2, einer Fläche so groß wie sechs Fußballplätze, entstanden – mit rund 1.500 Wohnungen, davon etwa 1.000 geförderte Mietwohnungen und SMART-Wohnungen. Neben leistbarem Wohnraum in modernster Architektur wurden auch großzügige Grün- und Freiflächen geschaffen.

„Ein zentraler Platz mit Sitzmöglichkeiten und einem Gemeinschaftshaus bildet hier das Zentrum für nachbarschaftliche Aktivitäten“, erzählt uns Daniel Dutkowski von der Gebietsbetreuung Atzgersdorf. „Ab dem Frühjahr wird auch regelmäßig ein Markt mit regionalen Produkten stattfinden.“

Baukran an Baukran

Verlässt man das Carré in Richtung Breitenfurter Straße, wird es laut und schmutzig. Zahlreiche Baukräne ragen in die Höhe, dutzende Bauarbeiter sorgen dafür, dass in den nächsten Monaten, weitere Projekte fertiggestellt werden. Auf dem rund 15.000 m2 großen Gelände zwischen Ziedlergasse und Südbahnstrecke entstehen bis 2023 rund 400 neue Wohnungen. Das Projekt bildet das Bindeglied zwischen dem Carré Atzgersdorf und dem Quartier rund um die ehemalige Sargerzeugungsfabrik an der Breitenfurter Straße.

Die denkmalgeschützte Sargfabrik wird revitalisiert, © Bild: Kurier/Gilbert Novy

Auf dem Gelände dieser ehemaligen Fabrik entsteht bis 2023 ein Wohnquartier mit rund 750 Wohnungen sowie Angebote für die ganze Nachbarschaft: Der Bildungscampus der Stadt Wien  für circa 1.100 Kinder und Jugendliche wird bis September 2022 fertig sein und die denkmalgeschützte Sargfabrik wird von Soravia revitalisiert und künftig als neues Grätzlzentrum genutzt. Die „Fabrik1230“ soll laut Entwickler ab  Ende 2023 viel Raum für Kunst, Kultur, Gastronomie, aber auch Büro, Gewerbe und Gesundheit bieten.

Gefragte Immobilien

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befinden sich die Unilever-Gründe. Auf diesem ehemaligen Gewerbegebiet wurde einst Margarine und Speiseöl erzeugt. Heute sind bereits rund 600 Wohnungen fertig gebaut und eine Ganztags-Volksschule am Dach eines Supermarkts errichtet. Direkt angrenzend ist gerade eine erhöhte Piazza mit großzügigen Aufenthaltsmöglichkeiten im Entstehen. Sie soll zum Verweilen einladen und das „Tor“ ins neue Quartier bilden. An der Breitenfurter Straße entwickelt aktuell die BUWOG ein neues Projekt mit 300 freifinanzierten Wohnungen. „Atzgersdorf wird zunehmend als Wohnviertel interessant, daher ist auch die Nachfrage nach Immobilien gestiegen“, berichtet Makler Christian Reischel von Reischel Immobilien. „Die Mieten für Neubauten sind ebenfalls gestiegen. Bestandsimmobilien profitieren hingegen nicht von dem Aufwärtstrend.“

Noch in diesem Sommer öffnet sich der „Stadtpark Atzgersdorf“  für alle Generationen, © Bild: Kurier/Gilbert Novy

Auf unserem Rundgang treffen wir auch Pensionistin Hildegard L. Sie wohnt seit über 50 Jahren in Atzgersdorf und geht jeden Tag mit ihrem Hund entlang der Liesing spazieren: „Wir haben hier eine Lebensqualität, die man selten wo findet. Ich bin schon sehr gespannt auf unseren neuen Park, der statt des Campingplatzes kommt.“

Stadtpark Atzgersdorf

Die Pläne für die Verwandlung des Campingplatzes in einen öffentlichen Park sind vielversprechend. Es soll ein Park für alle Generationen werden. Die Angebote verteilen sich inselartig auf der gesamten Fläche: Spielplätze, Fitnessbereiche, Liegewiesen, Sportflächen etwa für Volleyball oder Tischtennis, Kaffeehaus und vieles mehr werden schon im kommenden Sommer einladen, die Zeit im neuen Park aktiv zu verbringen. „Die Umbauarbeiten sollen im April beginnen“, erklärt Daniel Dutkowski. Außerdem wird der Park zum Liesingbach hin geöffnet und mit seinen vielen Stauden, Wiesen, große Grünflächen mit schattigen Plätzchen unter großen Bäumen, Trinkbrunnen und einem Wasserspielplatz wird er eine Oase zum Erholen und Abkühlen sein.

Neue Stadtviertel brauchen auch neue Verbindungen: So werden die Radwege laufend ausgebaut und die Buslinie 64A verbindet die neuen Wohngebiete mit der U6.

Michael Koprax betreibt sei 13 Jahren eine Buchhandlung am Kirchenplatz, © Bild: Kurier/Gilbert Novy

Wir beenden unsere Grätzltour wieder am Kirchenplatz. Hier betreibt Michael Koprax seit 13 Jahren seinen „Buchhandel Michael“. Er freut sich auch über die neuen Bewohner von Atzgersdorf: „Die Kundenfrequenz hat sich erhöht. Mit Einführung des Parkpickerls finden die Kunden auch mehr Parkplatz und ich kann meine Bücher schneller zu den Kunden liefern.“

Die Kaufleute in Atzgersdorf unterstützen die lokalen Produzenten: So erhält man etwa in der Buchhandlung Bier aus der Rodauner Brauerei oder Wein vom Heurigen Edlmoser in Mauer. Nebenan im „Genussspiegel“ und im „Blumenzimmer“ von Floristin Sandra Stulik wird das Bier der örtlichen „100 Blumen Brauerei “ verkauft. Die Brauerei hat sich vor ein paar Jahren in der ehemaligen Klavierfabrik Luner & Parttart in einem alten Backsteinhaus direkt neben dem Carré Atzgersdorf angesiedelt.

Die neuen Stadteile von Atzgersdorf im Überblick. © Bild: Grafik

Historisches

Atzgersdorf ist übrigens seit 1954 Teil des 23. Bezirks. In den 1960er-Jahren lockte die Stadt Wien sehr viele Betriebe an den Stadtrand mit sogenannten „10 Schillingen pro Quadratmeter“ als Anreiz. Die meisten davon gibt es heute nicht mehr wie Tixo oder Unilever. Wer sich für die Geschichte dieses Stadtteils interessiert, kann an den kostenlosen Spaziergängen der Gebietsbetreuung Atzgersdorf teilnehmen.

Der nächste Stadtteil-Spaziergang „Historisches Atzgersdorf“ findet am 29. März um 17 Uhr statt. Die Anmeldung ist unbedingt erforderlich unter Telefon 0676/8118 64 136.

© Kurier/Gilbert Novy

Quelle: kurier.at

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Bezirk Liesing - der Bezirk im Süden von Wien

Liesing ist der 23. Wiener Gemeindebezirk. Er entstand 1938 als 25. Wiener Gemeindebezirk durch den Zusammenschluss mehrerer zuvor selbständiger Gemeinden und besteht in seiner jetzigen, verkleinerten Form seit 1954/56